Kunsthistorisches Institut, Universität zu Köln und Anna Polke-Stiftung, Köln
Die Mythen und das Wissen der Materialien
Die Mythen und das Wissen der Materialien.
Von der Transformation der Stoffe mit Blick auf Kunstgeschichte, Sigmar Polke und die Gegenwart
Die komplexen Materialverwendungen und -verwandlungen in Sigmar Polkes Werk bildeten den Ausgangspunkt für den mehrtägigen interdisziplinären Austausch, der – eingebettet in aktuelle Diskurse sowie unter Berücksichtigung künstlerischer Positionen vor und nach Polke – die materiellen und konzeptuellen Eigenschaften von Werkstoffen befragt hat. Statt einer reduktionistischen Lesart von Material als funktionalem Bildträger, wurde dieses vielmehr als eigenständiger Bedeutungs- und Wissensträger und Akteur begriffen: Den Werkstoffen sind Mythen, Geschichten und Codierungen eingeschrieben, die wiederum historischem Wandel unterliegen. Gleichzeitig agieren die Materialien in symbolischen, religiösen, ökonomischen und sozialen Traditionen und Zusammenhängen.
Polkes vielfältiger wie experimenteller Umgang und Einsatz von Materialien, Farben und Substanzen – von Seide, Zinnober und Blattgold, über toxische Chemikalien und Silberverbindungen, hin zu industriellem Dekostoff – dienten als Folie, um materielle und konzeptuelle Eigenschaften von Werkstoffen neu zu befragen. Im Dialog mit historischen Vorläufern und zeitgenössischen Positionen und durch die Untersuchung der jeweils zugrundeliegenden Materialpraxis, -auffassung und -ästhetik, wurden produktions- und rezeptionsästhetische Fragestellungen epochenübergreifend verhandelt.
Dabei wurde besonders die Bedeutung des jeweiligen Ausstellungsortes und Auftragskontexts für die kunstwissenschaftliche Auslegung der ortsspezifisch verwendeten Materialien genauer betrachtet.
Übergreifendes Ziel war es, über traditionelle kunsthistorische Materialbegriffe hinaus neue interdisziplinäre Forschungsansätze einzubeziehen und selbst zu entwickeln, die das transformatorische, aktive Potenzial von Stoffen in der Kunst untersuchen.
Drei Schwerpunkte wurden dabei gelegt: (1) das Nachvollziehen und Reflektieren der Traditionslinien, in denen künstlerische Materialien seit Jahrhunderten stehen und in denen sie symbolisch aufgeladen und je nach Einsatz und Zusammenhang immer wieder neu aktualisiert worden sind; (2) die Analyse der verwendeten Materialen in ihren spezifischen Zuständen und prozessualen Eigenschaften unter Einbeziehung der Restaurierungswissenschaften; (3) die Befragung des aktivierenden Potenzials von Material, als Wissensträger einerseits und ästhetisches Element andererseits, das die Betrachtenden mit ins Werk einbezieht und Affekte auslöst, indem es beispielsweise spiegelt oder durch Transparenz das Werk selbst dekonstruiert.
Programm
Die Summer School hat sich in zwei Phasen gegliedert: Der erste Teil fand in Köln (DE) statt und umfasste neben der Recherche im Archiv und in der Bibliothek der Anna Polke-Stiftung, u.a. Exkursionen ins Museum Ludwig (Köln), Museum Abteiberg (Mönchengladbach) und Ruhr Museum (Essen). Der zweite Teil fand in Tilburg (NL) statt, wo die Arbeit vor Originalen in der Ausstellung Sigmar Polke – The Knowledge of Colors (De Pont Museum, 19.09.2026–28.02.2027) im Zentrum stand. Die Ausstellung ist eine Gemeinschaftsausstellung des De Pont Museum und der Anna Polke-Stiftung.
Eigene Beiträge der Teilnehmer:innen (z.B. als Vortrag, Posterpräsentation, angeleitete Textlektüre, künstlerisches Projekt), Close Reading Sessions, gemeinsame Diskussionen sowie Werkbetrachtungen vor Originalen brachten aktuelle Forschungsfragen zu den beschriebenen Themen zusammen. Expert:innen aus Kunstgeschichte, Ausstellungspraxis, Vermittlung und den Restaurierungswissenschaften haben den Diskurs mit Einblicken in ihre Forschung begleitet.
Das vollständige Programm finden Sie hier.
Die Mythen und das Wissen der Materialien.
Von der Transformation der Stoffe mit Blick auf Kunstgeschichte, Sigmar Polke und die Gegenwart
Internationale Summer School, 21.–27.09.2026, Universität zu Köln; Anna Polke-Stiftung, Köln; De Pont Museum, Tilburg
Konzeption: Prof. Dr. Christian Spies (Universität zu Köln), Dr. Kathrin Barutzki und Elsa Wellmann-Gilcher (Anna Polke-Stiftung)
Die Summer School ist Teil von Sigmar Polke. Athanor NOW. Sie wird zusätzlich gefördert von Cologne Summer Schools.