Purpur, Meteorit und Schnaps

Purpur, Meteorit und Schnaps.
Eine experimentelle Kunstgeschichte am Beispiel von Sigmar Polkes Athanor

Im Rahmen des interdisziplinär angelegten Seminars Purpur, Meteorit und Schnaps. Eine experimentelle Kunstgeschichte am Beispiel von Sigmar Polkes Athanor werden Fragen nach dem künstlerischen Experiment bei Polke einerseits in historisch-kritischer Perspektive verhandelt, und andererseits durch materialpraktische Experimente erprobt: Das Seminar analysiert die Schnittstellen zwischen wissenschaftlicher und künstlerischer Praxis.

Bergkristall, Pyrit, Achat, Malachit, Azurit, Zinnober, Schwefel, Lapislazuli, Foto: Kathrin Borgers

In der ersten Phase des Seminars (an der Universität zu Köln) werden dazu die historischen und theoretischen Grundlagen einer experimentellen Kunstgeschichte vermittelt. Eine solche Kunstgeschichte kann sich an Künstler:innen wie Allan Kaprow, Pinot Gallizio oder George Brecht orientieren, die ihre künstlerische Arbeit als eine Form von experimenteller Praxis beschrieben, und/oder als Wissenschaftler:innen in Laboren gearbeitet haben. Darüber hinaus werden Praktiken des artistic research sowie Formen experimenteller Gestaltung in den Blick genommen, in deren Namen sich in den letzten Jahren maßgebliche Veränderungen im Bereich der künstlerischen Ausbildung ergeben haben. An diesen je unterschiedlichen Schnittstellen von Kunst und Wissenschaft soll nach der gegenwärtigen Aktualität des Experimentellen, insbesondere für das Verständnis und die Rezeption von Sigmar Polkes Arbeit gefragt werden.

In der zweiten Phase des Seminars (an der TU Dortmund) begeben sich die Teilnehmer:innen ganz buchstäblich in den Bereich des Experimentellen: Unter Anleitung von Expert:innen werden experimentelle Arbeitsprozesse erprobt, die Polkes künstlerische Verfahren nachvollziehbar machen und zugleich neue Perspektiven auf das Zusammenspiel von Material und Technik eröffnen. Zur Vertiefung der materialtechnischen Auseinandersetzung werden Restaurator:innen, die sich bereits intensiv mit der materiellen Beschaffenheit von Polkes Werken auseinandergesetzt haben, Einblicke in ihre Arbeit geben. In dieser Perspektive positioniert sich das Projekt innerhalb eines neuen Turns der Technical Art History, der sich in den letzten Jahren durch Forschungsprojekte wie das Making and Knowing Lab (Columbia University, New York), oder das Art Lab (Utrecht University) etabliert hat.

Purpurschnecke | © Creative Commons CC0 1.0 Universal Public Domain Dedication

Das Lehr- und Forschungsprojekt eröffnet einen innovativen Zugang zu Polkes Werk, der theoretische Reflexion und experimentelle Praxis in einem interdisziplinären Setting produktiv miteinander verknüpft. In methodischer Hinsicht wir auf diese Weise ein neuartiges Vermittlungsformat erprobt, das Studierenden nicht nur die Historizität künstlerischer Experimente nahebringt, sondern auch die Möglichkeit gibt, diese im universitären Kontext praktisch zu erfahren. Diese Zusammenführung theoretischer und praxisbasierter Wissensformen soll nicht zuletzt neue Impulse und Wege in der Erforschung, Lehre und Vermittlung der materiellen, prozessualen und konzeptuellen Dimensionen von Sigmar Polkes Werk eröffnen.

Purpur, Meteorit und Schnaps. Eine experimentelle Kunstgeschichte am Beispiel von Sigmar Polkes Athanor
Seminar unter Leitung von Kathrin Borgers und Dirk Hildebrandt, 01.01.–30.06.2026, Universität zu Köln; TU Dortmund