Die Prozessualität des Materials durch Einflüsse von Feuchtigkeit, Wärme und Licht – spezifische Wetterbedingungen der Lagune aufrufend – ist ein zentrales Merkmal von Polkes Biennale-Zyklus. Dabei widmete er sich in Athanor Materialexperimenten mit organischen Pigmenten und Erdfarben, dem Sekret von Purpurschnecken, Mineralien wie Quarzkristall, Meteorit und Zinnober sowie Metallen, Chemikalien und synthetischen Stoffen. Dieses Zusammenspiel der Materialien ermöglichte Echtzeitbeobachtungen der physikalisch-chemischen Verfallsprozesse, der Kontamination, aber auch der transformatorischen Formensprache und verlieh dem Werk so eine prozessuale Ausdruckskraft, Farbigkeit und Tiefe. In der Biennale-Arbeit verdichteten sich bereits viele Aspekte von Sigmar Polkes alchemistischer Arbeitsweise. Diese schreibt sich in fluiden Ausstellungsinszenierungen und Experimenten der Gegenwartskunst als material- und ökokritische Reflexionen fort.
Das in Kooperation veranstaltete Forum der Anna Polke-Stiftung (Sophia Stang) und der Kunsthochschule für Medien Köln (Lilian Haberer) legt sein Augenmerk auf die Material- und Prozessforschung.