Mit seinem Biennale-Beitrag verwandelte Sigmar Polke den deutschen Pavillon 1986 in einen riesigen alchemistischen Ofen (Athanor), der nicht nur die wechselnden Aggregatzustände von festen und flüchtigen Stoffen (solve et coagula) vor Augen führte, sondern auch die Abhängigkeit einer Grundsituation von Rahmenbedingungen der Umgebung. Die Kunst erschien in Abhängigkeit von der wechselnden Luftfeuchtigkeit in der Lagune ständig anders und veränderte als dynamisch-dynamisierendes Element ihrerseits auch die versteinert-massive NS-Architektur des Pavillons. Das Kunstwerk wurde auf diese Weise zu einem Katalysator, der sein Umfeld aktiv beeinflusste und einem steten Umwandlungsprozess unterzog. Wie weit aber reicht die transformierende Kraft der Kunst in der Gesellschaft? Können Kunstwerke nicht nur Räume und Betrachtende, sondern sogar politische Zustände verändern? Ist Kunst gar ein Katalysator für demokratische Prozesse? In einer intensiven Studienwoche im Rahmen des Masterstudiengangs Kunstvermittlung und Kulturmanagement der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf werden wir ausgewählte Beiträge in den nationalen Pavillons in Hinblick auf ihr wie auch immer geartetes Transformationspotential analysieren und das zugrundeliegende Kunstverständnis untersuchen. Wie steht es mit der vielzitierten Freiheit der Kunst in den staatlich geförderten Repräsentationsbauten auf der Biennale in Geschichte und Gegenwart? Welchen determinierenden Rahmenbedingungen unterliegen die Werke und wie nehmen die Künstler:innen ihrerseits Einfluss auf das Umfeld?
Kunst und Politik auf der Biennale in Venedig
Kunst und Politik auf der Biennale in Venedig
Kunst und Politik auf der Biennale in Venedig
Exkursion, 06.–10.09.2026, Venedig
Eine Veranstaltung von Ulli Seegers im Rahmen des Masterstudiengangs Kunstvermittlung und Kulturmanagement der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.