Kunst lebt von Kunst. Das Kopieren und Transformieren künstlerischer Vorbilder gehört sein Anbeginn zur Geschichte der Bildenden Kunst. Aby Warburg sprach von Bilderwanderung und Andreas Beyer prägte den Begriff der Interpikturalität. So hat sich Sigmar Polke in seinem vielschichtigen Werk mehrfach auf Albrecht Dürer bezogen und dabei jeweils einen Medienwechsel vollzogen.
Heute, 500 Jahre nach Dürer, ist dessen Werk mehr denn je Inspirationsquelle für Kunstschaffende weltweit in unterschiedlichsten Medien und Techniken. Auch in der Tattoo Art ist Dürer seit Entstehen des sogenannten Engraving oder Woodcut style vor etwa 15 Jahren eine viel zitierte Größe. Wie Sigmar Polke greifen sich Tattoo Artists einzelne Motive aus Dürers Bilderschatz heraus und modifizieren sie. Diese transformativen Kunstzitate entwickeln ein Eigenleben. Sie verwandeln den menschlichen Körper und werden wiederum durch ihn verwandelt. Insofern trifft das von Polke aufgerufene Sinnbild des Athanor auch auf den tätowierten Körper zu.
Der Mensch als lebendiger Bildträger selbst rückt in den Fokus und wird Teil des Kunstwerks. Auf eine andere Art war dieses Verschmelzen von Menschen und Bildern auch in Polkes spiegelnder Inszenierung 1986 erlebbar. Erwachsene können sich ein kleines Tattoo nach Dürer und Polke stechen lassen.