Petrified Paintings

Raewyn Martyn, Petrified Paintings

Inspiriert von Sigmar Polkes Faszination für Geologie und Alchemie vereint dieses Projekt Kunst und Wissenschaft, um eine Reihe biobasierter Malereien sowie ein anthropogenes Tuffstein-Fresko entstehen zu lassen, das über die zwölfmonatige Laufzeit von Sigmar Polke. Athanor NOW entstehen und sich kontinuierlich verändern wird.

Die Kunstwerke werden vor Ort im Cockburn Geological Museum, online sowie in einer begleitenden Publikation zu sehen sein. Diese Kombination von Pigmenten menschlichen, biologischen und geologischen Ursprungs spiegelt die alltägliche Alchemie der mehr-als-menschlichen Transformation wider, die im Kontext unserer Stadtgeologie und an postindustriellen Stätten zu beobachten ist.

Natürlicher Tuff ist eine Art Kalkstein, der entsteht, wenn kalziumreiches Wasser über Erde und biologisches Material fließt und mit Kohlendioxid aus der Luft reagiert. Dieser Prozess steht sinnbildlich für die Wechselbeziehung zwischen biologischen und geologischen Prozessen. Künstlicher Tuff entsteht, wenn Kalzium und andere Schadstoffe ins Grundwasser gelangen. Diese Art von Tuff wurde insbesondere in postindustriellen Gebieten Schottlands und anderer Teile des Vereinigten Königreichs gefunden. Dort erodieren Abfallablagerungen, wodurch hartes Wasser entsteht, das wiederum lebende Materie versteinert und dabei Wasserschadstoffe sowie Kohlendioxid bindet (Marta Kalabová, 2022; 2024).

Das anthropogene Tuffstein-Fresko wird mithilfe eines Gravitationssystems generiert, indem kalziumreiches Wasser über vorgeformte bakterielle Polyestergerüste gegossen wird, auf denen die Flüssigkeit allmählich Kalk ablagert. Biobasierte Malereien, die eine Verbindung mit dem sich ablagernden Material eingehen, bilden zusätzliche Schichten, die die Kunstwerke innerhalb des sich ansammelnden Tuffsteins umschließen.

Im Rahmen dieses Zusammenspiels wird die Wissenschaft der Tuffsteinbildung in Form eines malerischen, zeitbasierten geologischen Modells angewendet. Dabei fungiert das Tuffstein-Fresko als Modell, das die sich verändernden CO₂-Konzentrationen in der Atmosphäre, die zum Klimawandel beitragen, sichtbar macht und aufzeichnet. Dieses Tuffsteinmodell ahmt auch die Geochemie der Freskomalerei nach und erweitert sie, indem sie die Farbe im Laufe der Zeit und als Reaktion auf die atmosphärischen Bedingungen dreidimensional verkalken lässt.

Laufende Arbeiten im September 2025 an den geomorphen Gemälden, die in den Fensterfronten des Korridors im Innenhof des Cockburn Museum präsentiert werden | © Raewyn Martyn

Anlässlich des Jubiläums von Sigmar Polkes Athanor und des 300. Geburtstags von James Hutton feiert das Projekt die Wechselbeziehungen zwischen experimenteller Malerei und Geologie. Polkes Verwendung geologischer Materialien und transformativer Prozesse sind wesentliche Elemente seiner radikalen, experimentellen Malerei. Gleichzeitig haben Huttons ebenso radikale Ansätze zu geologischen Zeiträumen und Prozessen Künstler:innen dazu inspiriert, sich erneut mit der Transformation von Materie auseinanderzusetzen, die sowohl in der Kunst als auch in der Wissenschaft möglich ist.

Das Cockburn Geological Museum am Grant Institute der University of Edinburgh konfrontiert die Besucher:innen mit einer Fülle politischer, geologischer und ökologischer Denkanstöße zu historischen und aktuellen Fragen und Diskussionen. Ähnlich wie Polkes Inszenierung natürlicher und kultureller Objekte regt die Sammlung damit zu einer tiefergehenden Auseinandersetzung mit mehr-als-menschlichen Transformationen an.

Die zweiteilige Installation im Cockburn Geological Museum wird anschließend in anderer Form im Museum of the Scottish Shale Oil Industry zu sehen sein.

Dieses Projekt wurde großzügig von der Anna Polke-Stiftung, dem Institute for Advanced Studies in Humanities (IASH) und der School of GeoSciences der University of Edinburgh gefördert. Darüber hinaus wurde es von der University of Canterbury, Aotearoa New Zealand, und der University of Leicester School of Geography, Geology, and the Environment gefördert.

Raewyn Martyn, Petrified Paintings
Ausstellung, 01.08.2026–01.08.2027, Cockburn Geological Museum, University of Edinburgh

https://geosciences.ed.ac.uk/about/facilities/all/cockburn

https://walkerfalls.wordpress.com/