Sigmar Polke. The Knowledge of Colors

Sigmar Polke. The Knowledge of Colors

Ausgehend von Sigmar Polkes Farbexperimenten der 1980er Jahre wirft die Ausstellung Sigmar Polke. The Knowledge of Colors (Sigmar Polke. Das Wissen der Farben) einen Blick auf seine bestechend schönen wie farbintensiven Gemälde und die damit verbundenen Materialverwandlungen. Die ausgestellten Werke decken über drei Jahrzehnte seines Schaffens ab und zeugen von einem präzisen wie spielerischen Umgang mit Farben und Formen, der Teil eines vielschichtigen Werkprozesses ist und der Polkes tiefgreifendes Verständnis von Malerei als offene und durchlässige künstlerische Praxis zur Schau stellt. 

Sigmar Polke, Hermes Trismegistos III und IV, 1995, De Pont Museum, Tilburg | © Foto: Peter Cox, © The Estate of Sigmar Polke / VG Bild-Kunst, Bonn

Die 1995 entstandene vierteilige Werkgruppe Hermes Trismegistos I-IV aus der Sammlung des De Pont Museums bildet im Dialog mit acht monochromen Farbtafeln von 1986/87 und 1992 aus der Sammlung des Stedelijk Museums den Kern, von dem aus Fragen an Polkes malerisches Werk und an das damit verbundene Wissen der Farben gestellt werden. Hier anschließend entwickelt sich die Ausstellung von den frühen Farb- und Materialproben aus den 1980er Jahren bis zu den späten, leuchtenden Interferenzbildern der 2000er Jahre. Dabei spielen Licht und Transparenz, Bewegung und Verwandlung sowie der kulturelle und politische Kontext von Materialien, Pigmenten und Mineralien eine besondere Bedeutung.

In der Darstellung der mythischen Figur des Hermes Trismegistos, verstanden als Begründer der Alchemie sowie Überbringer der Hieroglyphen, zeigt sich, wie Wissen über Jahrhunderte hinweg in unterschiedlichen Kulturen und medialen Formen und Formaten vermittelt wurde.

Polke greift mit dem konkreten Bildmotiv des Hermes ein historisches Bildzitat aus einem Bodenmosaik in der Kathedrale von Siena auf, das er vergrößert und gleichzeitig fragmentiert auf transparente Bildträger überführt. Die Art, wie sich in der Werkgruppe Farben und Formen aufeinander beziehen und einander durchdringen, steht für den komplexen künstlerischen Einsatz und die spezifische Verwendung von Farben und Materialien in Polkes Schaffen.

In dem Ensemble lassen sich zudem werkübergreifende Aspekte ausmachen, die weit über die gängige alchemistische Lesart von Polkes Malerei hinausgehen. Werden die verwendeten Farben, Lacke und Pigmente selbst als Akteure im Bildgeschehen verstanden, weil sie Bewegungen auslösen und sich gegenseitig beeinflussen, geht die Handlungsmacht vom Künstler auf die Farben und Materialien über.

Den Geschichten und Kontexten der natürlichen wie synthetischen Stoffe und Substanzen sowie der gewählten Motive nachspürend, offenbaren sich zudem unmittelbare Verbindungen zwischen Kultur-, Natur- und Kunstgeschichte.

Die abstrakten Farbkompositionen und die malerischen Details belegen eine grundlegende Hinterfragung eines vermeintlich fest umrissenen Malereikanons, wenn Polke derart mit der Intermedialität der Werke spielt und bewusst Raum, Transparenz und Licht mit in den Bildaufbau beziehungsweise die Bildwerdung einbezieht.

De Pont Museum Tilburg | © De Pont Museum Tilburg, Foto: Jasper Loeffen

Die präsentierten Arbeiten bezeugen einen Wendepunkt in Sigmar Polkes Schaffen, der maßgeblich auf eine lange Reise zurückgeht, die ihn 1980/81 nach Australien, Papua Neuguinea und Südostasien führte und die Arbeiten und seine Sicht auf die (Kontexte von) Farben grundlegend veränderte. In seiner Tragweite zeigte sich dieser malerische Umbruch erstmals 1986 auf der Biennale di Venezia im Deutschen Pavillon, wo Polke seine mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnete Athanor-Installation präsentierte. Diese mittlerweile ikonische Werkschau, die sich durch eine stetige Veränderung, eine Transformation von Material, Farbe und Licht auszeichnete, verfestigte das bereits seit Anfang der 1980er Jahre bestehende Label von Polke als alchemistischem Künstler. Die in dieser Zeit und in Folge entstanden Arbeiten zeichnen sich aus durch das Schütten, Gießen, Pusten, Einstreuen und Streichen von Lacken, Pigmenten und Harzen auf transparenten oder semitransparenten Bildgründen, auf Stoffen oder Leinwand. Zu diesen gehören sowohl gänzlich abstrakt gehaltene Farbproben, Lack- oder Schüttbilder als auch Werke mit konkret auszumachenden Figuren und Formen aus historischen Bildvorlagen, darunter Zitate aus der Kunst- und Kulturgeschichte.

Durch ihre materialästhetische wie inhaltliche Vielschichtigkeit zeigt die Malerei in Sigmar Polkes multimedialem Gesamtwerk bis heute beispielhaft wie experimentell und in dem Sinne medienübergreifend seine künstlerische Herangehensweise war. Unter dem Fokus auf die Farbe bringt die Ausstellung im De Pont Museum erstmals über 50 Gemälde des Künstlers aus den frühen 1980er Jahren bis zu seinen späten Werken aus den 2000er Jahren zusammen und gibt auf diese Weise einen thematisch fokussierten und dennoch weiten Überblick über Polkes malerisches Schaffen.

Sigmar Polke. The Knowledge of Colors
Ausstellung, 19.09.2026–28.02.2027, De Pont Museum, Tilburg

Eine Gemeinschaftsausstellung des De Pont Museum und der Anna Polke-Stiftung.
Kurator:innen: Kathrin Barutzki (Anna Polke-Stiftung), Martijn van Nieuwenhuyzen und Maria Schnyder (De Pont Museum).