Ökologien der Sichtbarkeit I

Ökologien der Sichtbarkeit I.
Bildprozesse zwischen Experiment und Kontamination

Susanne Kriemann, Ray, Rock, Rowan (Being a Photograph), Installationsansicht, Camera Austria, 2025 | © Foto: Markus Krottendorfer, Susanne Kriemann / VG Bild-Kunst, Bonn

1986 verwandelte Sigmar Polke den Deutschen Pavillon der Venedig Biennale in einen experimentellen Bildraum, in dem sich Farbpigmente, lichtempfindliche Substanzen und klimatische Bedingungen durchdrangen. Unter dem Titel Athanor verband er alchemistische Vorstellungen einer aktiven Natur mit fotografischen und malerischen Prozessen: Licht, Wärme, Feuchtigkeit und chemische Reaktionen wurden zu bildgebenden Kräften.

40 Jahre später nimmt eine zweitägige Veranstaltung bei C/O Berlin Polkes Biennale-Pavillon zum Ausgangspunkt, um der Aktualität dieser Versuchsanordnung nachzugehen. Wie verändert sich unser Verständnis von Bildern, wenn die Prozesse, durch die sie entstehen, von Umweltbedingungen beeinflusst sind? Was bedeutet es, Bilder als Träger ökologischer Veränderungen, technischer Eingriffe und fortwirkender Kontamination zu betrachten?

Die Veranstaltung findet im Rahmen von Sigmar Polke. Athanor NOW statt, einem internationalen Forschungs- und Vermittlungsprojekt der Anna Polke-Stiftung, und ist zugleich in den After Nature. Ulrike Crespo Photography Prize von C/O Berlin und der Crespo Foundation eingebunden. In ihrer Ausstellung fragt Preisträgerin Susanne Kriemann anlässlich eines anderen 40. Jahrestags – der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl im April 1986 – nach dem Nachleben toxischer Reststoffe, radioaktiver Materialien und ihrer Spuren in Landschaften, Körpern und Bildern.

An einem Abend und einem Nachmittag kommen Künstler:innen, Kurator:innen und Wissenschaftler:innen ins Gespräch. Ausgehend von Polkes Experimentalsystem und seinen Verbindungen von Hermetik, Fotografie, Chemie und Materialforschung diskutieren sie, wie Bilder entstehen, wenn nicht Repräsentation, sondern Stoffumwandlung im Vordergrund steht; wenn Sichtbarkeit aus Prozessen hervorgeht, die selbst unsichtbar bleiben; und wenn künstlerische Praxis dem Material folgt, statt es auf eine vorgegebene Form festzulegen.

Ein Projekt initiiert von Hans-Christian von Herrmann, TU Berlin, Institut für Philosophie, Literatur-, Wissenschafts- und Technikgeschichte, und Katja Müller-Helle, HU Berlin, Institut für Kunst- und Bildgeschichte, Forschungsstelle „Das Technische Bild“.

Programm, 25.09.2026

18.00–18.30 Uhr
Begrüßung
Katharina Täschner, Kuratorin, C/O Berlin
Sprache: Deutsch

Einführung
Hans-Christian von Herrmann, TU Berlin /
Katja Müller-Helle, HU Berlin
Sprache: Deutsch

18.30–20.00 Uhr
Toxische Substanzen
Susanne Kriemann, Künstlerin /
Eva Wilson, Kuratorin, Skulptur Projekte Münster
Sprache: Deutsch

Weitere Informationen zu Ökologien der Sichtbarkeit II. Bildprozesse zwischen Experiment und Kontamination, 26.09.2026 finden Sie hier.

Ökologien der Sichtbarkeit I. Bildprozesse zwischen Experiment und Kontamination
Gespräch, 25.09.2026, 18–21 Uhr, C/O Berlin Amerika Haus, Berlin