Sigmar Polke und Italien. Archivalische Annäherungen

Sigmar Polke und Italien. Archivalische Annäherungen

Sigmar Polke, Solfatara 1991/92 | © Foto: Bice Curiger / Archiv der Anna Polke-Stiftung

Wie viele Künstler:innen vor ihm, unternahm auch Sigmar Polke unzählige Reisen nach Italien. Insbesondere in den 1980er Jahren verbrachte er mehrere Monate auf der Halbinsel und besuchte unter anderem Rom, Venedig, Neapel, Capri, Ravenna, Pisa und Siena.

Seine Eindrücke hielt Polke in Fotografien und auf 16-mm-Film fest: Die Aufnahmen von Alltagssituationen, historischen Stätten und Kunstwerken stellen eigenständige, künstlerische Reflektionen des Erlebten dar. Gleichzeitig verdeutlichen sie, dass alltägliche Szenen und persönliche Begegnungen Polke ebenso sehr interessierten wie die historischen Maltraditionen und Bilderwelten des Landes.

Letztere finden als Bildzitate unmittelbar Eingang in Polkes Schaffen: Hierfür bediente sich der Künstler ohne Hierarchisierung am Kanon der sogenannten Hochkultur wie an popkulturellen Motiven, verwies auf antike Ikonografien ebenso auf wie zeitgenössische Quellen. Indem er sich diese Vorlagen aneignete, sie transformierte und in andere Zusammenhänge überführte, schuf er neue Bedeutungsebenen und forderte Sehgewohnheiten heraus.

Britta Zoellner, Purpurschnecken, 1986 | © Britta Zoellner / Archiv der Anna Polke-Stiftung

Italien eröffnete Polke zudem den Zugang zu historischen Materialien und Techniken, die er für seine eigene künstlerische Praxis neu erschloss. So veranlasste ihn ein Besuch der Stazione Zoologica in Neapel 1986 dazu, eigenhändig Purpur aus Meeresschnecken zu gewinnen – ein Experiment, das durch Fotografien und einen Film nachvollziehbar ist und es ihm erlaubte, Purpurtuch zu fertigen, das Eingang in die Athanor-Installation fand.

Das Italienische Kulturinstitut in Köln präsentiert zwei von der Anna Polke-Stiftung kuratierte Vitrinen: Die eine veranschaulicht exemplarisch motivische Bezugnahmen Polkes und zeichnet anhand ausgewählter Archivalien die Italien-Reisen der 1980er Jahre nach.
Die andere konzentriert sich auf Sigmar Polkes Beitrag bei der 42. Biennale di Venezia, 1986. Die mit dem Goldenen Löwen prämierte Athanor-Installation bildet den Ausgangs- und Referenzpunkt der anderen beiden gezeigten Präsentationen:
> Stefanie Pluta, Scenario for a Crystal
> Francesca Valentini und Fabrizio Saiu, Echoes of Athanor

Kuratiert von Elsa Wellmann-Gilcher mit Kathrin Barutzki (Anna Polke-Stiftung).

Sigmar Polke und Italien. Archivalische Annäherungen
Vitrinenausstellung, 13.07.–20.11.2026,
Istituto Italiano di Cultura di Colonia, Köln