Wie viele Künstler:innen vor ihm, unternahm auch Sigmar Polke unzählige Reisen nach Italien. Insbesondere in den 1980er Jahren verbrachte er mehrere Monate auf der Halbinsel und besuchte unter anderem Rom, Venedig, Neapel, Capri, Ravenna, Pisa und Siena.
Seine Eindrücke hielt Polke in Fotografien und auf 16-mm-Film fest: Die Aufnahmen von Alltagssituationen, historischen Stätten und Kunstwerken stellen eigenständige, künstlerische Reflektionen des Erlebten dar. Gleichzeitig verdeutlichen sie, dass alltägliche Szenen und persönliche Begegnungen Polke ebenso sehr interessierten wie die historischen Maltraditionen und Bilderwelten des Landes.
Letztere finden als Bildzitate unmittelbar Eingang in Polkes Schaffen: Hierfür bediente sich der Künstler ohne Hierarchisierung am Kanon der sogenannten Hochkultur wie an popkulturellen Motiven, verwies auf antike Ikonografien ebenso auf wie zeitgenössische Quellen. Indem er sich diese Vorlagen aneignete, sie transformierte und in andere Zusammenhänge überführte, schuf er neue Bedeutungsebenen und forderte Sehgewohnheiten heraus.